15. März 2021

Gewalt definieren, erkennen und vermeiden

Eine inklusive Arbeitsgruppe der BWB hat sich intensiv und unermüdlich mit dem Thema Gewaltprävention befasst. Nun liegt das 70 Seiten starke Konzept vor.

„Überall, wo Menschen zusammenarbeiten, kann es Konflikte geben, die auch mit Gewalt einhergehen“, sagt Anne Reichert. „Auch in der Werkstatt kann es zu Machtmissbrauch, Übergriffen, psychischer oder körperlicher Gewalt kommen.“ Reichert ist Psychologin beim Begleitenden Dienst der BWB und hat die inklusive Arbeitsgruppe geleitet, die zwischen April 2019 und August 2020 das Konzept „Gewaltfreie BWB“ entwickelt hat. 

Auf 70 Seiten beschreibt es effektive Maßnahmen für das tägliche Handeln, um sich selbst und andere besser vor Gewalt schützen zu können. Es erläutert, welche Formen von Gewalt es gibt, wie man ihr vorbeugen, wie man bei einem Gewaltgeschehen eingreifen und was man auch im Nachhinein noch tun kann, damit Betroffene zum Beispiel nicht anhaltend traumatisiert sind und Tatpersonen nicht rückfällig werden. Dabei geht es immer um Gewaltschutz – sowohl mit Blick auf die Mitarbeitenden als auch mit Blick auf die Fachkräfte. Ebenso spielt eine Bedrohung durch Außenstehende eine Rolle.

Der Anlage-Teil umfasst zahlreiche praktische Hilfen, etwa eine Verhaltensampel: Leicht lesbare Listen führen in Rot falsche, in Gelb kritische und in Grün zwar richtige, aber doch unbeliebte Verhaltensweisen auf. In der Anlage finden sich außerdem eine Selbstverpflichtungserklärung sowie diverse Arbeitsvorschriften in Form von Entscheidungsbäumen. Das Präventionskonzept enthält auch die Ergebnisse der Risikoanalyse, die im Juni 2019 in der BWB durchgeführt wurde: Welche Risikobereiche gibt es, welche Personengruppen sind möglicherweise besonders gefährdet, wie lässt sich das jeweilige Risiko verringern? Aufgelistet werden zudem alle Anlaufstellen innerhalb der BWB und Beratungsangebote in ganz Berlin.

Inklusiver Entstehungsprozess

Schon der Entstehungsprozess des Konzepts „Gewaltfreie BWB“ hat gezeigt, wie unterschiedlich Blickwinkel und Wahrnehmungen innerhalb der BWB sein können und wie stark zugleich der Wille war, zueinander zu finden und eine gemeinsame Haltung zu entwickeln. Die 21 Mitglieder der Arbeitsgruppe kamen aus allen Bereichen der BWB – inklusive Werkstattrat und Frauenbeauftragte. Sascha Omidi von der Fachberatungsstelle Gewaltprävention der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten (LAG WfbM Berlin) hat sie bei der Erarbeitung des Konzepts beraten und unterstützt. Unter anderem hat er gleich zu Beginn in den einzelnen Werkstätten ermittelt, welche Hilfestellungen sie jeweils brauchen. Zudem hat er für die Stammmitarbeiter ganztägige Gewaltpräventions-Schulungen durchgeführt.

Über einen Zeitraum von fast eineinhalb Jahren hat sich die Arbeitsgruppe einmal im Monat zusammengesetzt, Gedanken ausgetauscht, Literatur zum Thema Gewalt(prävention) recherchiert und ausgewertet, Inhalte verfasst, außerdem in monatlichen Newslettern die Belegschaft über den aktuellen Stand informiert. „Wir haben geduldig diskutiert, kritisch reflektiert und unermüdlich verhandelt – über 18 Konzept-Fassungen hinweg bis zum endgültigen Ergebnis“, erinnert sich Anne Reichert. Die Arbeitsgruppe hat sich währenddessen auch mit anderen Berliner Werkstätten ausgetauscht, bei denen das Thema ebenfalls auf der Agenda stand. 

„Das nun vorliegende Gewaltpräventionskonzept soll alle Menschen, die in der BWB arbeiten, für das Thema Gewalt sensibilisieren“, heißt es gleich auf den ersten Seiten. Es soll zusammen mit den damit verbundenen Aktionen dazu beitragen, respektvoll und wertschätzend miteinander umzugehen, „denn wenn wir einander vertrauen, hat Gewalt keinen Raum und Aggressionen können in konstruktive Bahnen gelenkt werden“. 

Inzwischen haben alle Fachkräfte das Präventionskonzept in gedruckter Form bekommen. Eine ausführliche Feedback- und Fragerunde ist geplant. Darüber hinaus werden alle Maßnahmen der Gewaltprävention und -intervention innerhalb der BWB regelmäßig auf ihre Wirksamkeit hin geprüft.

 

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